Träumer und Träume in der Galerie in Plinz

Ein Artikel in der OTZ, erschienen am 10. Mai 2014

Gisa und Jochen Bach laden das ganze Jahr über in ihre Galerie und den "Garten der Stille" ein.


 Jochen Bach im "Garten der Stille" in Plinz. Foto: Dieter Urban

Plinz. Abseits der großen Touristenstraßen gibt es Orte in Thüringen, die nicht leicht zu finden sind. Wenn man sie aber einmal entdeckt hat, gehen sie einem nicht mehr aus dem Sinn.
Plinz ist so ein verstecktes Kleinod, Ortsteil der Gemeinde Milda im Saale-Holzland-Kreis. Wer aus Jena kommend Richtung Kahla fährt, muss hinter Rothenstein rechts nach Altendorf, Altenberga fahren und erreicht dann nach wenigen Kilometern Plinz mit seiner alten Mahl- und Schneidemühle aus dem 16. Jahrhundert. Hier sind Gisa und Jochen Bach zu Hause.
Die Töpferin und der Maler, Grafiker, Fotograf und Plastiker haben sich in der einstigen Mühle über die Jahre eine Galerie aufgebaut, in der sie ihre Arbeiten präsentieren und mit den Besuchern gern auch ins Gespräch kommen.
"Goethe war hier - nie", steht an der reich dekorierten Eingangstür. Daneben eine Auswahl an Antworten auf die meistgestellten Fragen: Wir wohnen hier seit 1972, auch im Winter. Wir fühlen uns gar nicht einsam. Sie stören uns nicht. Wir leben schließlich davon, gestört zu werden. Um ein Bild zu malen, brauche ich ungefähr eine Woche, um es zu verkaufen mitunter Jahre...
Fragen beantworten die Bachs gern und geduldig, was ein Kunstwerk, was Kunst überhaupt ist, müsse jeder Besucher aber mit sich selbst ausmachen. "Ich male Bilder, ich bearbeite einen Stein, ich drucke oder ich fotografiere, Künstler möchte ich mich aber nicht nennen", sagt Jochen Bach. "Kunst entsteht im Kopf des Betrachters, und bei jedem entsteht dabei etwas anderes." Das findet der Besucher beim Streifzug durch die Galerieräume mit den alten Mahlstühlen bestätigt. Der Leuchtenburg, Schloss Wolfersdorf, dem Tiefurter Park und der Landschaft um Plinz im Wechsel der Jahreszeiten begegnet man auf Jochen Bachs Gemälden, die von innen her zu leuchten scheinen. Seine Radierungen und Lithografien sind meisterlich ausgeführt. Seine Fotografien, am Computer bearbeitet, erzählen surreale Geschichten. Sie lassen Schmetterlinge fliegen, Blumen blühen oder geben den Blick frei auf geheimnisvolle Gesichter. Und in den Regalen nebenan trifft man auf Gisa Bachs praktische Töpferwaren, schlicht in der Form, zauberhaft im Dekor. Die Vielfalt der Arbeiten und vor allem Techniken von Jochen Bach sind unglaublich. Manchmal träumt der 72-Jährige von einem Projekt, steht früh auf und legt los: "Ich muss immer alles gleich machen. Die Ideen liegen ja direkt vor der Haustür."
Gisa und Jochen Bach, sie in Wittenberge, er in Leipzig geboren, haben sich während des Architektur-Studiums in Weimar kennen gelernt. Nach Plinz führte ihr Weg, als Jochen Bach einen Platz für sein Pferd suchte. Das hatte er sich gekauft, um während eines Arbeitsaufenthaltes in der Mongolei hoch zu Ross die Steppe zu durchstreifen. Daraus wurde nichts. Die Bachs fanden und kauften das Anwesen in Plinz, bauten die alte Mühle aus und um und aus einem geplatzten Traum entstanden neue, die sie bis heute leben. In ihrem "Garten der Stille" zum Beispiel.
Schon von Weitem sind im weiträumigen Areal an der Mühle wundersame Figuren auszumachen. Wer dann tatsächlich durch das einladende Tor den "Garten der Stille" betritt, fühlt sich von einem Zauberreich umfangen. Hier führen Jochen Bachs Plastiken aus Terrakotta und Beton ein Eigenleben. Stelzenläufer blicken auf die Besucher, eine Familie hat sich mit Kind und Kegel im Adamskostüm zum Sonnen ins Gras gelegt. Inmitten blühender Sträucher tummeln sich verwunschene Prinzen, und die Frösche, die sich partout nicht verwandeln wollen, werden in Rotweinsoße serviert. Baumbärte begrüßen die Gäste, im Garten des Rauschens murmelt der Bach, wispern Windspiele, überall laden kleine Sitzgruppen zum Verweilen ein.
Das ganze Jahr über ist dieses Zauberreich in Plinz geöffnet: Im Frühjahr begrüßen die ersten Knospen und Blüten zu Füßen der Figuren die Gäste, im Sommer laden Schatten spendende Bäume zum Träumen ein, im Herbst leuchtet das bunte Blätterdach und im Winter tragen die Figuren Schneemützen.
Wie der Garten steht auch die Galerie von Gisa und Jochen Bach den Besucher ganzjährig offen. "Ab zehn Uhr etwa", sagt Jochen Bach, "und wer möchte, dem kochen wir gern auch eine Tasse Kaffee." Alle drei Wochen laden die Bachs zum Konzert in die Plinzmühle ein, zu denen sich auch renommierte Künstler nicht lange bitten lassen. Uschi Brünning war hier, Barbara Thalheim oder der Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel. Am 17. Mai gastieren die Musiker von "Interloop", Pfingstsamstag die "Melancholiker", Lieder-Kabarettisten aus Leipzig. Ob in den Galerieräumen gespielt wird oder auf der Freilichtbühne im Garten - das entscheidet das Wetter.
! Geöffnet: Täglich ab 10 Uhr; nächste Konzerte: 17. Mai und 7. Juni, 20 Uhr
Sabine Wagner / 11.05.14 / OTZ